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Thomas Altmann, Leiter des Portfolio-Managements, QC Partners

 

“Profi-Anleger misstrauen der Erholung

In den ersten 5 Handelswochen des Börsenjahres 2019 kannten die Aktienmärkte nur eine Richtung: nach oben. In der Hoffnung auf schnelle Lösungen bei den großen politischen Themen Brexit, US-Haushaltsstreit und Handelskonflikt, wurden Aktien gekauft.

Doch seit einigen Tagen nehmen die Schwankungen wieder deutlich zu, die Zeit der Kursgewinne scheint erst einmal vorbei zu sein. Auf gesenkte Wachstumsprognosen der Europäischen Union, ausbleibende Fortschritte beim Brexit und vor allem ins Stocken geratene Handelsgespräche zwischen den USA und China haben Anleger zuletzt mit Verkäufen reagiert.

 

Handelskonflikt

Wirklich überraschen sollten diese jüngsten Rücksetzer niemanden. Denn gerade beim Handelskonflikt zwischen den USA und China sind die Profianleger schon länger vorsichtig. Hier gilt bei den Profis mehr denn je das Motto: Absicherung ist Trump(f). Zwar ist das Volumen ausstehender Put-Optionen beim Hang Seng China Enterprise Index zuletzt etwas zurückgegangen, allerdings deutlich langsamer als das Volumen ausstehender Call-Optionen. Konkret: Die Differenz zwischen Put- und Call-Open Interest ist eine der höchsten seit Beginn der Datenaufzeichnung im Jahr 2004. Größer könnte das Misstrauen in die jüngste Kurserholung nicht sein.

Das gleiche Bild ergibt sich bei einem Blick auf den ebenfalls sehr exportlastigen japanischen Leitindex Nikkei 225. Hier gehen die Daten noch einmal 10 Jahre länger zurück, bis ins Jahr 1994. Und dennoch liegt die Differenz zwischen ausstehenden Put- und Call-Optionen hier ebenfalls im Bereich der historischen Extremwerte. Ein ähnlich hoher Wert im Dezember 2015 sagte damals die massiven Kursverluste von Januar bis März 2016 korrekt voraus.

 

Europa

Auch in Europa macht sich mehr und mehr Misstrauen breit. Die Profis haben offensichtlich nie daran geglaubt, dass Italien lange aus dem Fokus verschwindet. Und auch ein Ausfallen Deutschlands als Konjunktur-Lokomotive der Eurozone steht bei den Profis schon länger auf der Agenda. Von daher überrascht es wenig, dass die Differenz zwischen ausstehenden Put- und Call-Optionen auf den DAX und DJ EUROSTOXX 50 mit der zunehmenden Kurserholung kontinuierlich angestiegen ist. Beim DJ EUROSTOXX 50 ist der Vorsprung der Put-Optionen mittlerweile so hoch wie seit Dezember 2017 nicht mehr – damals ein zuverlässiger Frühindikator für die Börsen-Turbulenzen Anfang 2018.

 

Volatilitäts-Perspektive

Das Open Interest spricht also eine eindeutige Sprache. Doch was sagen die impliziten Volatilitäten? Auf den ersten Blick sehen die impliziten Volatilitäten derzeit nicht übermäßig hoch aus. Das liegt optisch jedoch vor allem daran, dass sie sich von ihren Rekordwerten aus dem Dezember ein gutes Stück nach unten entfernt haben. Dabei darf nicht übersehen werden, dass die implizite 3-Monats-Volatilität beispielsweise beim DAX nach wie vor über ihrem Durchschnitt der vergangenen beiden Jahre liegt. Eine ruhige Prognose sieht also anders aus.

 

Fazit

Open Interest und implizite Volatilität geben also die gleiche Prognose. Die Börsen werden nicht in diesem ruhigen Fahrwasser bleiben. Die nächsten Stürme sind schon aufgezogen. Die Frage ist hier nur noch, wie stark der Wind blasen wird.”