• Innovation und Spezialisierung
  • Alternative Rendite-Risiko-Profile
  • Hochqualitatives Risikomanagement

Media

Artikel

Thomas Altmann, Leiter des Portfolio-Managements, QC Partners

 

“Ist das Jahr wirklich schon Anfang Oktober zu Ende?

Der DAX hat seit Jahresanfang ein Plus von etwa 10% erwirtschaftet. Gleichzeitig ist die Volatilität so niedrig wie noch nie. Ginge es nach dem Willen vieler Anleger, würde sich bis zum Jahresende an diesen Werten auch nichts mehr ändern.

 

Aber ist das auch wahrscheinlich? Ist das Jahr wirklich schon gelaufen? Mehrheitlich haben sich die DAX-Investoren tatsächlich für dieses Szenario positioniert. Die Nachfrage nach Absicherung ist so niedrig wie lange nicht mehr. Das Put Open Interest, also die Summe aller ausausstehenden Verkaufsoptionen, ist beim DAX so gering wie zuletzt vor 15 Jahren. Zum Vergleich: In den Krisenjahren 2007 bis 2009 lag das Put Open Interest häufig beim 6-fachen des aktuellen Wertes. Und auch im vergangenen Jahr gab es immer wieder Phasen, in denen 50% mehr Verkaufsoptionen nachgefragt wurden als aktuell.

 

Dies ist mit Sicherheit auch einer der Gründe für die historisch niedrige implizite Volatilität. Der Volatilitätsindex des DAX, der VDAX NEW, notierte zuletzt auf seinem zweitniedrigsten Wert in diesem Kalenderjahr – nachdem er im März bereits ein neues 20-Jahres-Tief markiert hat.

 

Aber kann dieses Szenario wirklich noch drei Monate anhalten?

 

Superwahljahr beendet

Das europäische Superwahljahr ist mit der Bundestagswahl nun beinahe Geschichte. Lediglich die Österreicher/-innen machen ihre Kreuzchen noch. Mit allzu großen Auswirkungen auf den DAX hat bei der deutschen Bundestagswahl zwar ohnehin niemand gerechnet, allerdings könnte die Bildung einer neuen Regierung diesmal ein langwieriger und komplizierter Prozess werden. Dazu gibt es jede Menge anderer Themen, die in den kommenden Wochen und Monaten ganz oben auf der Agenda der Börsianer stehen: Die Berichtssaison für das dritte Quartal, in der sich die Auswirkungen des starken Euro auf die Bilanzen der exportorientierten deutschen Unternehmen zeigen werden, steht unmittelbar vor der Tür. Die EZB wird im Oktober verkünden, was sie ab Januar mit ihrem Anleihenkaufprogramm vorhat. Die Fed reduziert ab Oktober ihre Bilanzsumme und hat jüngst in Aussicht gestellt, im Dezember noch einmal an der Zinsschraube zu drehen. Dazu ist der Korea-Konflikt zwar etwas in den Hintergrund getreten, aber noch lange nicht gelöst. Potentielle Auslöser stärkerer Kursbewegungen gibt es viele.

 

Es stellt sich also die Frage, ob die Börsianer all diese Themen ignorieren oder ob sie erst zu späteren Zeitpunkten mit turbulenteren Kapitalmärkten rechnen. Ähnlich wie beim VDAX NEW, der die erwarteten Schwankungen innerhalb der nächsten 30 Kalendertage widerspiegelt, sind auch die impliziten Volatilitäten für die verbleibenden drei Monate bis zum Jahresende auf historisch niedrigen Werten. Das Bild ändert sich jedoch schlagartig, sobald man den Betrachtungszeitraum um das Jahr 2018 erweitert. Die Volatilitätsdifferenz zwischen Optionen, die noch in diesem Jahr fällig werden und Optionen, die erst an den klassischen Verfallterminen im März oder Juni 2018 auslaufen, liegt beim vierfachen des historischen Durchschnittswertes. Die Volatilitätskurve ist also historisch steil. Lag in der Vergangenheit im Mittel nur ein Volatilitätspunkt zwischen einer 1-Monats- und einer 6-Monats-Option, sind dies aktuell mehr als vier Volatilitätspunkte. Anders ausgedrückt: Über einen 5-Jahreszeitraum liegen die aktuellen Werte im 99. Perzentil, das heißt nur in 1% aller Fälle war die Steilheit der Volatilitätskurve noch ausgeprägter. Und die Liste der Auffälligkeiten ist hier noch nicht zu Ende. Optionen, die im März oder Juni 2018 fällig werden, weisen eine extrem hohe Skew („Volatilitäts-Schiefe“) auf. Das heißt, für Optionen, deren Basispreise weit unterhalb des aktuellen Kursniveaus liegen, muss ein weiterer Volatilitätsaufschlag bezahlt werden. Auch dieser ist aktuell so hoch, wie nur an 1% aller Handelstage der vergangenen fünf Jahre. Dies betrifft vornehmlich jene Optionen, die sich besonders gut zur Absicherung gegen starke Kursverluste eignen.

 

Ruhiger Jahresausklang?

Die Optionsmärkte preisen also exakt das Szenario ein, für das sich die Anleger bereits positioniert haben: Einen ruhigen Jahresausklang, gefolgt von einem deutlich turbulenteren Jahr 2018. Ob zumindest der erste Teil dieses Szenarios aufgeht, werden wir am Jahresende wissen. Dennoch sollten sich Anleger – gerade angesichts der Agenda des vierten Quartals – nicht zu sehr darauf verlassen. Denn ein Motto von André Kostolany gilt an der Börse immer wieder: „Wenn alle Spieler auf eine angeblich todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief“. Und auch dieses Jahr wird erst im Dezember enden!”