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Thomas Altmann, Leiter des Portfolio-Managements, QC Partners

 

Trügerische Ruhe am Devisenmarkt

Am Devisenmarkt ist es ruhig geworden. Der EUR/USD-Wechselkurs schwankte im 4. Quartal dieses Jahres bisher in einem engen Band zwischen 1,09 und 1,13. Der Abstand zwischen Höchst- und Tiefstkurs lag im gesamten Kalenderjahr bei knapp 6%. Dies ist ein absoluter Rekordwert. In den bisher 21 Jahren seit der Euro-Einführung lagen Jahreshoch und Jahrestief zuvor nur ein einziges Mal weniger als 10% auseinander, das war 2013 mit einem Abstand von etwa 9%.

 

Deutlich unter Durchschnitt

Schauen wir uns neben dem Abstand zwischen Höchst- und Tiefstkurs eine weitere Messgröße an: Die Volatilität. Über die vergangenen 12 Monate betrug die realisierte Volatilität des Währungspaares nur noch 5,0% und lag damit bei der Hälfte des historischen Mittelwertes seit der Euro-Einführung. Die implizite 1-Jahres-Volatilität des Währungspaares liegt mit 5,5% ebenfalls auf dem tiefsten Stand ihrer 21-jährigen Historie. Zum Vergleich: Die historische Durchschnitts-Volatilität beträgt 10,2%.

 

Wo ist die Volatilität hin?

Naturgemäß beeinflussen die Zinsentscheidungen der Notenbanken die Wechselkursentwicklung. Mit ihren drei Zinsschritten nach unten hat es die Fed jedoch nicht geschafft, den US-Dollar nachhaltig zu schwächen. Stattdessen profitierte der US-Dollar vom höheren Wachstum der US-Wirtschaft im Vergleich zur Eurozone und wertete leicht auf.

 

Für 2020 rechnen die Börsianer mit einem weiteren Zinsschritt der Fed nach unten. Bei der EZB sollten Anleger von einer unveränderten Geldpolitik ausgehen. Der Einfluss der Notenbanken auf die Wechselkursentwicklung sollte daher auch 2020 begrenzt bleiben. Stattdessen dürfte ein unterschiedliches Wachstumstempo weiterhin den Devisenmarkt bestimmen.

 

Ausblick 2020

Auch beim Wechselkurs zwischen Euro und japanischem Yen ist die historische 1-Jahres-Volatilität auf ein Rekordtief abgesunken. Die implizite Volatilität wird hier zumindest auf einem 12-Jahres-Tief gehandelt.

Kurz gesagt stellen die impliziten Volatilitäten für den Euro für das Jahr 2020 erst mal ein „weiter-so“ in Aussicht – ein „weiter so“ ohne große Schwankungen. Verlassen sollte man sich auf diese Prognose jedoch nur bedingt. Denn Sonderrisiken wie ein Wieder-Aufflammen der Eurokrise können diese Vorhersage schnell über den Haufen werfen.

Wer unmittelbar höhere Volatilitäten sucht, wird beispielsweise beim britischen Pfund fündig, der Brexit lässt grüßen.

Dagegen wird die implizite 1-Jahres-Volatilität des chinesischen Yuan zum US-Dollar mit einem Wert von 4,7 fast 1 Volatilitätspunkt unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gehandelt. Der Glaube an die Lösung des Handelskonfliktes ist offensichtlich weiterhin größer als die Angst vor einer weiteren Eskalation.

Hohe implizite Volatilität gibt es dagegen beim Argentinischen Peso. Trotz des absolut hohen Niveaus von beinahe 20% notiert diese jedoch unter dem 5-Jahres-Mittelwert. Vor dem Hintergrund einer drohenden Staatspleite ist auch das erstaunlich.

Die impliziten Devisen-Volatilitäten rund um den Globus sind niedrig, teilweise sogar historisch niedrig. Diese Ruhe am Devisenmarkt ist zwar gemütlich, sollte Anleger jedoch nicht in falsche Sicherheit wiegen.”